Der Verband der internationalen Autovermieter (VIA e.V.) lehnt den Entwurf der Europäischen Kommission zur Regulierung sogenannter „sauberer Unternehmensflotten“ in seiner Gesamtheit ab und warnt vor unkalkulierbaren Risiken für die Autovermietungsbranche.
Der Vorschlag der EU-Kommission sieht verbindliche Quoten für die Elektrifizierung von Unternehmensflotten vor, die von den Mitgliedstaaten erreicht werden müssen. Dabei werden weder die unterschiedlichen Ausgangsbedingungen und Herausforderungen einzelner Flottenbetreiber noch die variierenden Rahmenbedingungen in den EU-Mitgliedstaaten ausreichend berücksichtigt. Dies birgt erhebliche Risiken für funktionierende Mobilitätsangebote in Europa, insbesondere für den Mietwagensektor. Die Bezeichnung der Quoten als „Zielvorgaben“ verschleiert den faktischen Zwangscharakter der Regelung.
Die Bundesregierung sollte an ihrer klaren Ablehnung von Quotenlösungen und anderen verpflichtenden Zielvorgaben festhalten und sich stattdessen für gezielte Verbesserungen der Rahmenbedingungen und den weiteren Ausbau der Ladeinfrastruktur einsetzen.
Quoten schaffen keine Nachfrage: Kundinnen und Kunden entscheiden
Die Autovermietungsbranche stellt bereits heute eine Vielzahl unterschiedlicher Modelle elektrisch betriebener Fahrzeuge zur Verfügung. Dabei ist aber klar: Die Kundinnen und Kunden entscheiden, welche Antriebsart sie wählen. Eine Transformation des Verkehrssektors und insbesondere der Mietwagenbranche kann deswegen nicht regulatorisch erzwungen werden. Quoten schaffen keine Nachfrage. Sie führen stattdessen zu höheren Kosten für Anbieter, höheren Preisen für Kundinnen und Kunden und zu Fahrzeugen, die deutlich seltener nachgefragt werden.
Gerade im Mietwagensektor ist die Nachfrage stark nutzungs- und situationsabhängig. Kundinnen und Kunden erwarten insbesondere im Tourismus oder bei Geschäftsreisen Verfügbarkeit, Flexibilität und einfache Nutzbarkeit. Eine Regulierung, die auf Angebotszwang statt auf Nachfrageorientierung setzt, ignoriert diese Bedürfnisse und gefährdet sowie die Akzeptanz der Mobilitätswende.
Ohne Ladeinfrastruktur an Mobilitätsknotenpunkten ist die Transformation nicht umsetzbar
Ein zentraler Engpass für den Hochlauf emissionsarmer und emissionsfreier Fahrzeuge bleibt der bislang unzureichende Ausbau der Ladeinfrastruktur an Mobilitätsknotenpunkten wie Flughäfen, Bahnhöfen und touristischen Standorten. Ohne eine leistungsfähige und zuverlässige Ladeinfrastruktur an jedem dieser Mobilitätsknotenpunkte ist der breite Einsatz von E-Fahrzeugen im Mietwagensektor nicht realisierbar. Durch eine Regulierung der Mietwagenbranche, wie von der EU-Kommission vorgesehen, droht an Verkehrsknotenpunkten eine Situation, in der Hunderte von elektrischen Mietwagen an einer einstelligen oder geringen zweistelligen Zahl von Ladesäulen geladen werden sollen. Die Rückmeldung aus der Praxis ist eindeutig: Erst wenn Mobilitätsknotenpunkte konsequent mit Ladeinfrastruktur ausgestattet sind, kann eine reale Nachfrage entstehen und die Transformation der Fahrzeugflotten im großen Umfang gelingen.
Bundesregierung muss bei einem klaren Nein bleiben
Die Bundesregierung hat sich klar gegen verpflichtende Flottenquoten und für mehr Technologieoffenheit, Flexibilität und Marktorientierung ausgesprochen. Der VIA begrüßt diese Haltung ausdrücklich. Entscheidend ist, dass politische Regelungen an den tatsächlichen Marktbedingungen und den realen Herausforderungen der Branche ausgerichtet werden. Die Bundesregierung sollte daher weiterhin an ihrer klaren Ablehnung verpflichtender Quoten und Zielvorgaben festhalten und sämtliche entsprechenden Vorgaben auf europäischer Ebene ablehnen. Die Transformation der Mobilität gelingt nur, wenn Nachfrage, Infrastruktur und Regulierung zusammengedacht werden. Starre Quoten ohne Kundennachfrage, ohne ausreichende Ladeinfrastruktur und ohne Technologieoffenheit sind kein geeigneter Weg, um die Klimaziele im Verkehrssektor zu erreichen.